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Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit

Risiken, die bei der Nutzung von sozialen Netzwerken bedacht werden sollten


Auch wenn es einfacher ist, jemanden unter seinem echten Namen zu finden, sollten die Risiken bedacht werden, die dadurch entstehen, dass der “community” diese Information bedenkenlos mitgeteilt wird.

Welche Risiken sich durch eine Identifizierung der Person für den Betroffenen ergeben können, belegen folgende Beispiele, die wir der Presse entnommen haben:

  • Bewerber wurden wegen Einträgen oder Fotos in sozialen Netzen, die entweder nicht zur Einstellung der Firma passen oder scheinbar auf mangelnde Arbeitsmoral schließen lassen, abgelehnt,
  • negative Aussagen über das eigene Unternehmen führten zur Kündigung der Beschäftigten,
  • politisch inkorrekte Aussagen führten zum Parteiausschluss bzw. Mandatsverlust,
  • Angaben über den Beziehungsstatus wurden vom Ex-Partner zum Stalking genutzt (Stalking über das Internet ist quasi zum Volkssport geworden. Funktionen, die Änderungen und Neuigkeiten direkt melden, unterstützen dies),
  • Schulverweis nach beleidigenden Äußerungen über Lehrer,
  • Daten aus sozialen Netzwerken wurden dafür genutzt, um Phishing-Mails bzw. E-Mail-Viren als echte Nachrichten von Freunden erscheinen zu lassen.

Bisher noch nicht bekannt geworden, aber mit Sicherheit in naher Zukunft zu erwarten, ist die Nutzung von Daten aus sozialen Netzwerken durch:

  • Versicherungen um z.B. spezielle Risken vor Abschluss von Lebens-, Berufsunfähigkeits-, Kranken- oder KFZ- Versicherungen zu ermitteln,
  • Auskunfteien um z.B. die Kreditwürdigkeit, Kaufkraft, das umsatzrelevante Verhalten (z.B. Viel-/Wenigtelefonierer) zu ermitteln
  • Vermieter um z.B. das Verhalten von Mietbewerbern (häufige Partys, laute Musik, Haustiere, sonstige unerwünschte Vorlieben) zu ermitteln
  • Arbeitgeber und sonstige Interessierte um z.B. allgemeine Informationen über den Betroffenen zu ermitteln: Manche Netzwerke listen auf Wunsch alle Forenbeiträge eines Nutzers auf. Interessierte können dadurch ein noch umfassenderes Bild des Nutzers erhalten als durch dessen Eigenangaben. Zudem ermöglicht die Zeitangabe an Forenbeiträgen den simplen Nachweis von missbräuchlich genutzter Arbeitszeit.

Die wichtigste Maßnahme, um diesen Risiken wirksam zu begegnen: Die Angabe des richtigen Namens in sozialen Netzwerken vermeiden! In den meisten Fällen genügt ohnehin die Verwendung eines Spitz- oder Künstlernamens – wir sprechen von einem “Pseudonym”. Allerdings reicht das Weglassen des eigenen Namens durch den raschen Fortschritt bei Such- und Auswertungstechniken immer weniger aus: Über ähnliche Angaben zu Alter, Wohnort/Region, Freundeskreis und ggf. Interessen oder auch über eine automatische Personenerkennung auf Fotos können u.U. Profile in verschiedenen Netzwerken verknüpft werden.

17.02.2009